Mein Hund frisst mir die Haare vom Kopf – oder auch: Die Ode an das Fett

Immer wieder liest man in Internetforen, dass Hunde mit den „normalen“ Futtermengen, die man bei BARF üblicherweise ansetzt (24 % des Körpergewichts) nicht zurechtkommen und trotz immenser Futtermengen abnehmen. Die Hunde fressen dann meist utopisch große Fleischberge und sind dennoch zu dünn. Wie kommt es dazu und wie kann man entgegenwirken?


Die Erklärung ist eigentlich recht einfach: dem Hund fehlt es meist an Energie! Denn viel Futter heißt im  Umkehrschluss nicht unbedingt auch viel Energie.
Der Grund für die Energiearmut so mancher BARF-Portion ist das menschliche Bestreben, möglichst mageres Fleisch zu füttern, weil Fett schlichtweg in unseren Köpfen als „böse“ verankert ist. Nur zu gern kaufen wir für uns selbst fettreduziertes Essen, schneiden die Fettränder vom Fleisch ab und züchten sogar Schlachttiere, die möglichst wenig davon haben. So kommt es auch dazu, dass in vielen BARF-Läden oder –Shops recht mageres Fleisch angeboten wird. Für den Hund ist das aber fatal, denn Fett ist für ihn die Energiequelle Nummer 1!
 

Wieso ist Fett so wichtig für den Hund?

Während eine stark kohlenhydratreiche Ernährung für Hunde negative Folgen hat (siehe dieserArtikel), hat fettreiches Futter für einen gesunden (!) Hund keinerlei unerwünschte Konsequenzen. Fett wird von Hunden in sehr großen Mengen verwertet (bis zu 10 g Fett pro kg KM haben keinen nachteiligen Einfluss – auch keine Risikoerhöhung für Pankreatits[1]), ist effizient, weil es wesentlich mehr Energie liefert als Kohlenhydrate (nämlich 9,3 kcal an Stelle von nur 4,1 kcal), es dehnt sich im Magen nicht aus (was ein Vorteil ist, wenn man einer Magendrehung vorbeugen will) und die Akzeptanz ist bei Hunden meist sehr groß, d. h. sie fressen es sehr gern. Außerdem liefert Fett natürlich auch essenzielle Fettsäuren[2], die der Hund selbst nicht bilden kann. Einen Kohlenhydratbedarf haben Hunde hingegen nicht.[3]

Oben: durchwachsenes Fleisch - perfekt für den Hund
Unten: mageres Fleisch - für den Hund zu wenig Energie
Füttert man nur mageres Fleisch, hat der Hund schnell ein Problem. Denn Eiweiß soll dem Hund nicht als Energiequelle dienen, weil bei der Verstoffwechselung von Eiweiß Abbauprodukte entstehen. Das ist zwar völlig normal, aber wenn der Hund überwiegend Eiweiß zur Energieversorgung nutzen muss, dann entstehen zu viele Eiweißabbauprodukte und das überfordert auf Dauer Leber und Nieren.[4] Schon allein aus diesem Grund sollte man fettes Fleisch füttern. Es sollte mindestens 1525 % Fett enthalten. Vor allem wenn der Hund nur Geflügelfleisch oder Pferdefleisch fressen darf, muss man darauf achten, dass der Hund genug Energie bekommt, denn diese Fleischsorten sind ganz besonders fettarm. Oftmals findet man leider keine Angabe zum Fettgehalt des Fleisches. Daher muss man sich auf den optischen Eindruck verlassen. Das Fleisch sollte gut marmoriert sein oder einen großen Fettrand haben.
Nun muss man aber nicht in Panik geraten, weil der BARF-Shop in dem man einkauft, nur mageres Fleisch anbietet oder der Hund Allergiker ist und nur Pferd fressen darf. Die Lösung für das Problem ist sehr einfach: Wenn das Fleisch zu mager ist, gibt man ganz einfach Fett hinzu. Man kann für diesen Zweck Schweineschmalz im Supermarkt kaufen (keine Angst vor dem Aujetzky-Virus – Schmalz wird „tot“ gekocht) oder man füttert Geflügel- oder Lammfett oder Rindertalg. Es gibt sogar viele Fleischer, die Fett kostenlos abgeben und auch in manchen BARF-Shops wird es angeboten.

Was kann man tun, wenn das Fleisch zu mager ist?

Ist das Fleisch zu mager, gibt man einfach Fett hinzu
Man muss nur eine kleine Anpassung in der Ration vornehmen. Angenommen, der Futterplan sieht 350 g durchwachsenes Muskelfleisch vor und das Fleisch, was gerade zur Verfügung steht, hat nur 5 % Fett. Dann geht man folgendermaßen vor, um eine Orientierung zu erhalten. Man berechnet, wie viel Fett in den 350 g Fleisch enthalten sind (17,5 g in dem Fall) und ermittelt, wie viel Fett enthalten sein müsste (ca. 20 % = 70 g). Dann würde man in diesem Fall einfach ca. 50 g Schweineschmalz hinzufüttern und diese 50 g beim Muskelfleisch abziehen. Dann hätte man 300 g Muskelfleisch + 50 g Schweineschmalz und dieses Gemisch hat dann insgesamt 18,5 % Fett. Ist der Hund sehr aktiv, setzt man einfach einen höheren Wert an.
Man sollte allerdings nicht von heute auf morgen 50 g Schweineschmalz zum Futter hinzugeben, sondern dem Organismus eine Chance geben, sich an die erhöhte Fettzufuhr zu gewöhnen. Ein Hund, der z. B. jahrelang Trockenfutter bekommen hat (sehr viele Kohlenhydrate, moderater Fettanteil), dann auf eine zu magere Version von BARF umgestellt wird und dann auf einmal viel Fett bekommen soll, könnte ein Problem mit der Bauchspeicheldrüse entwickeln, wenn man so vorgeht. Daher sollte man die Fettmenge langsam, über einen längeren Zeitraum steigern und nicht sofort die maximale Menge füttern. Man muss sich ja auch an die Menge herantasten, die der Hund benötigt. Gleichzeitig sollte man natürlich die Futtermenge wieder auf ein normales Maß herunterfahren. Ziel der Anpassung war schließlich, dass der Hund nicht mehr so viel magere Zutaten fressen muss, um sein Gewicht zu halten.
Natürlich kann man die Energiemenge im Futter auch durch die Gabe von Kohlenhydraten erhöhen. Vor allem bei nimmersatten Hunden macht es Sinn, zusätzlich z. B. noch etwas Reis anzubieten, weil dadurch die Futtermenge erhöht wird (hier hat die Ineffizienz der Kohlenhydrate hinsichtlich des Energiegehaltes einen Vorteil).

Wie erkennt man, dass der Hund zu wenig Energie zu sich nimmt?

Man kann den wahren Energiebedarf eines Hundes leider nicht berechnen. Auch wenn einige Leute das gern behaupten und es natürlich für Hunde Formeln dafür gibt – eine korrekte Berechnung ist nicht möglich, denn derartige Werte sind immer nur eine Orientierung, die auf das einzelne Lebewesen gar nicht zutreffen muss. Zwar kann man den Energiegehalt des Futters abschätzen (auch da müssen Schätzwerte herhalten, denn es gibt zwar Kalorientabellen, aber letztendlich weiß man eben nicht, wie viel Energie das Stück Fleisch hat, was nun gerade im Napf landet) und auch den Kalorienbedarf „berechnen“ (Hunde im Erhaltungsstoffwechsel benötigen etwa 0,5 MJ umsetzbare Energie pro kg KM0,75 pro Tag[5]), aber ich kenne keinen Hund, auf den die Werte zutreffen ;)
Und nun? Tja, man muss hier mit Augenmaß vorgehen, seinen Hund beobachten und kann als Orientierungshilfe eben die Empfehlung 24 % des Körpergewichts zu füttern, hernehmen. Braucht ein ausgewachsener, normal aktiver, großer Hund mehr als 23 % Futter, würde ich auf jeden Fall den Energiegehalt des Futters überdenken. Für kleine Hunde gilt ein etwas höherer Wert, da sie allgemein höhere Bedarfswerte haben. Hier kann man sich an einem Wert von 34 % orientieren.
Natürlich kommen auch andere Ursachen für hohe Futtermengen in Betracht: Parasiten oder gewisse Erkrankungen der inneren Organe wie z. B. der Bauchspeicheldrüse. Es gibt auch einfach Hunde, die „schlechte Futterverwerter“ sind und daher mehr Futter benötigen. Allerdings habe ich festgestellt, dass die Futterzusammensetzung sehr oft die Ursache ist, weil die Besitzer schlichtweg zu mager füttern.

Fazit

Fett ist nicht böse! Nein, der Organismus des Hundes benötigt genügend Fett, um den Energiebedarf zu decken. Zwar vertragen viele Hunde auch Kohlenhydrate gut, aber Fett hat gegenüber diesem Energielieferanten viele Vorteile. Braucht ein Hund sehr große Futtermengen, sollte man in jedem Fall den Fettgehalt des Futters überprüfen und ggf. zusätzliches Fett zur Verfügung stellen.

Geschlossen

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